Myopiegläser als Chance für myope Kinder
Dr. Anne Seidemann klärt im Interview über Myopie auf und gibt einen Einblick, was myopen Kindern nachhaltig helfen kann. Die Biologin ist Senior Manager Research Optics bei Rodenstock und Expertin für Myopie.
Veränderte Lebensgewohnheiten und mehr Naharbeit lassen Myopie weltweit ansteigen. In Deutschland sind etwa 25 % der Menschen kurzsichtig.
Wissenschaftler fordern, bei kurzsichtigen Kindern unter zwölf Jahren die Myopie zu kontrollieren, um ihr Fortschreiten dadurch verlangsamen zu können*. Studien zeigen, dass Myopie bei jüngeren Kindern am schnellsten fortschreitet. Myopie in jungen Jahren erhöht wiederum das Risiko für Augenkrankheiten im Erwachsenalter.
* Brennan, Noel A., et al. “Efficacy in myopia control.” Progress in retinal and eye research 83 (2021): 100923.
Dr. Anne Seidemann
Als Biologin promovierte Dr. Anne Seidemann in der Kurzsichtigkeitsforschung am Uniklinikum Tübingen. Als Senior Manager Research Optics bei Rodenstock verantwortet sie die Bereiche Physiologie und Myopie und leistet dadurch einen großen Beitrag, um die Augengesundheit bei Kindern zu verbessern.
Dr. Seidemann: „Myopie – oder Kurzsichtigkeit – entsteht, wenn das Zusammenspiel von der Brechkraft des Auges und der Augenlänge nicht richtig zusammenpasst. Betroffene sehen zwar in der Nähe scharf, in der Ferne jedoch nur verschwommen.
Die übermäßige Länge des Auges kann verschiedene Ursachen haben, die die komplexe Entwicklung des kindlichen Auges beeinträchtigen; Bildet sie sich über einen längeren Zeitraum hinweg, nimmt die Myopie also zu. Wir sprechen dann von einer Myopieprogression oder auch dem Fortschreiten der Myopie."
Dr. Seidemann: „Wenn eine Kurzsichtigkeit zu stark fortschreitet und sich eine hohe Myopie entwickelt, steigt das Risiko des Auftretens bestimmter Augenkrankheiten wie einem Glaukom, Katarakt, Makulaerkrankungen und/oder Netzhautablösungen. In vielen Studien wurde gezeigt, dass das Risiko solcher Erkrankungen, die durch Myopie entstehen, wesentlich mit deren Intensität zusammenhängt.
So zeigt beispielsweise Haarman in einer seiner Studien, dass die Wahrscheinlichkeit eines Kindes mit einer Myopie zwischen -3,0 und -5,0 Dioptrien dreimal höher ist, ein Glaukom zu entwickeln, was bis zur Erblindung führen kann.
Jede zusätzliche Dioptrie erhöht das Risiko, Augenerkrankungen zu entwickeln. Gleichzeitig verringert das Verlangsamen einer Myopieprogression um eine Dioptrie während der Kindheit beispielsweise das Risiko der Entwicklung einer myopen Makulopathie deutlich.
Es ist daher äußerst wichtig, das Fortschreiten der Myopie bei jungen Kindern ab dem Moment ihrer Diagnose zu verlangsamen und einer Myopieprogression so schnell wie möglich entgegenzuwirken."
Dr. Seidemann: „Herkömmliche Einstärkengläser können die Myopie zwar für unterschiedliche Blickrichtungen korrigieren, aber nicht das Längenwachstum der Augen verlangsamen oder einem Fortschreiten der Myopie entgegenwirken.
Durch die Art und Weise, wie normale Einstärkengläser die Myopie korrigieren, kann es dazu kommen, dass das Licht in der Peripherie hinter der Netzhaut auftrifft. Manche Kinderaugen versuchen, sich anzupassen und wachsen übermäßig in die Länge, was dazu führen kann, dass die Myopie weiter fortschreitet. Für ein aktiveres Myopiemanagement benötigt es folglich eine Lösung, die hier eingreift, wie beispielsweise spezielle Myopiegläser, die das Augenlängenwachstum verlangsamen und so das Fortschreiten der kindlichen Myopie kontrollieren können."
Dr. Seidemann: „Spezielle Myopiegläser wie MyCon® von Rodenstock verfügen über seitlich angeordnete Bereiche zur Progressionskontrolle, die sicherstellen sollen, dass das Licht in der Peripherie so gebrochen wird, dass es bereits vor der Netzhaut auftrifft.
Damit soll dem Auge signalisiert werden, dass es in den peripheren Bereichen bereits zu lang ist, wodurch das Augenlängenwachstum verlangsamt werden kann. Der Fokusbereich im Glas ist hingegen so gestaltet, dass das Kind scharf sieht. Es bietet Kindern somit scharfes Sehen und kann das Fortschreiten der Myopie verlangsamen."
Dr. Seidemann: „Gut in den Alltag lässt sich die „20/20/2“ Regel von Caroline Klaver einbinden, die ich für alle Kinder empfehlen kann: während des Lesens nach 20 Minuten für mindestens 20 Sekunden in die Ferne schauen und mindestens 2 Stunden am Tag draußen verbringen.
Denn der Aufenthalt im Freien an sich wirkt schon präventiv. Bei Tätigkeiten in der Nähe soll der Abstand mindestens 30 cm betragen. Neuere Studien deuten darauf hin, dass 20 Sekunden für den Blick in die Ferne nach Möglichkeit weiter ausgedehnt werden sollten und nach 45 Minuten eine längere Pause eingelegt werden sollte."
Gezielte Myopiekontrolle für bessere Augengesundheit
MyCon® Brillengläser wurden speziell entwickelt, um Myopie bei Kindern zu kontrollieren. Die Technologie ist darauf ausgelegt, weiterem Fortschreiten der Kurzsichtigkeit entgegen zu wirken. Dabei bietet MyCon® optimalen Sehkomfort und berücksichtigt die speziellen Bedürfnisse myoper Kinder.